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sportiv 2/2015

sportiv _ 17 Sport von A-Z: Fußball Randale in der Dünnefeld-Halle sorgt für endgültiges „Aus“ des VELTINS Masters Regionalligist KSV Hessen Kassel letzter Sieger des Turniers Der Regionalligist KSV Hessen Kassel durfte sich als letzter Verein in die lange Siegerliste des VELTINS Masters eintragen. Im Finale setzten sich die Löwen mit 2:0 gegen die U 23 von Fortuna Düsseldorf durch. Eine 20. Auflage des Turniers im nächsten Jahr wird es nicht mehr geben. Krawalle in der Halle, angezettelt von „Fans“ des KFC Uerdingen sorgten letztendlich für die Entscheidung des SSV-Vorstands die Reißleine zu ziehen. „Die Sicherheit der Zuschauer ist nicht mehr gewährleistet,“ so SSV-Abteilungsleiter Rafael Bremer im sportiv-Interview. Die VELTINS Brauerei als Hauptsponsor des Turniers hatte schon vor der 19. Auflage ihren Unmut darüber geäußert, dass es in der Vergangenheit im Zusammenhang mit dem Turnier immer wieder zu unschönen Szenen gekommen war. 2013 musste der damalige Torwart von Alemannia Aachen Cederic Wilmes aus Allagen zu seinem eigenen Schutz nach nur einem Spiel die Halle verlassen. Schalker Ultras beschimpften ihn auf das Übelste, weil sie der Meinung waren, Wilmes gehöre als BVB-Fan einer Ultragruppierung aus Dortmund an. Ebenfalls 2013 waren es Schalke-Fans, die nach ihrer Rückkehr aus Meschede in Gelsenkirchen die Polizei angriffen und mit Flaschen, Mülleimern, Steinen und sogar Fahrrädern bewarfen. Und dann waren da noch die Fans vom BFC Dynamo Berlin, die in Meschede nach dem Turnier in den falschen Zug eingestiegen waren und dann dermaßen randalierten, dass der Zug in der Nähe von Fröndenberg angehalten werden musste, weil er drohte aus den Gleisen zu springen. Die jüngsten Vorfälle brachten das „VELTINS Fass“ zum Überlaufen, und zwangen den Turnier-Veranstalter zur Aufgabe. SSV-Abteilungsleiter Rafael Bremer nimmt Stellung: Zur Mentalität seiner Mannschaft, zu den Krawallen und deren Auswirkungen beim VELTINS Masters sowie der Zukunft des Hallenfußballs. sportiv: Als Fußball-Abteilungsleiter des SSV Meschede dürften Sie die bisherige Hallensaison Ihrer Mannschaft mit einem lachenden und einem weinenden Auge sehen. Toll der souveräne Auftritt beim Masters, eher kläglich das Abschneiden bei der Mescheder Stadtmeisterschaft. Kann man sagen, die Spieler können wenn sie wollen, aber nur dann? Oder anders ausgedrückt, ist Überheblichkeit der größte Feind der SSV-Spieler? Rafael Bremer: Mit Überheblichkeit hat das nichts zu tun! Beim Olper PFIFF Sport Champion Masters hat unsere Mannschaft verdient gewonnen und nach 14 Jahren waren wir auch mal wieder an der Reihe. Bei den Stadtmeisterschaften hatten wir einerseits eine andere Mannschaft gestellt und das Halbfinale gegen TuRa Freienohl, immerhin Tabellenführer der A-Liga verloren, was in der Halle mal passieren kann. Und ich glaube, dass es der ganzen Veranstaltung doch sehr gut getan hat, wenn wir nach gefühlten 20 Jahren in Folge mal nicht gewonnen haben. sportiv: Nach den Krawallen in der Dünnefeld Sporthalle beim VELTINS Masters, wird es die 20. Jubiläums-Auflage des Turniers im kommenden Jahr nicht mehr geben. Stimmt es nicht bedenklich, wegen einer handvoll Chaoten des KFC Uerdingen einzuknicken, statt rigoros durchzugreifen? R. B.: Wir sind nicht eingeknickt, aber die Entwicklung der letzten Jahre hat uns keine andere Möglichkeit gelassen. Und die Sicherheit der Zuschauer steht immer an erster Stelle. Man sehe nur am gleichen Wochenende die Turniere in Frankfurt und Cloppenburg. Überall waren Ausschreitungen und massiver Polizeieinsatz. Aber auch vor dem Turnier haben wir darüber diskutiert, ob es noch Sinn macht es auszurichten. Die Auflage durch den Verband, alle Turniere ab 2015 mit Futsal - Regeln auszutragen, hätte unserem Turnier eh‘ den Garaus gemacht. Ein Spiel ohne Banden, mit einem platten Ball auf Handballtore zu spielen, ist für keinen Regionalligisten interessant und keine Option. sportiv: War es nicht grob fahrlässig, angesichts der Fan-Ausschreitungen in den vergangenen Jahren, diesmal die Vereine Fortuna Düsseldorf und KFC Uerdingen zum Turnier einzuladen, deren Fan-Rivalität doch hinreichend bekannt sein musste? R. B.: Die Ausschreitungen letztes Jahr waren auf dem Rückweg der Schalke Fans in Dortmund. Also 100 km von uns entfernt. Wo sollen wir anfangen und aufhören? Weder die Polizei, noch die Fan-Beauftragten der Vereine aus Uerdingen oder Düsseldorf, mit denen wir ständig in Kontakt waren, haben hier irgendeine Gefahr benannt. Und es ist auch keine Frage von „Wer hat Schuld?“, vielmehr ist es ein Gesellschaftsproblem was die Ausschreitungen in den unteren Ligen ganz klar zeigen. Grob fahrlässig wäre es, einfach weiter zu machen und warten bis irgendwann ein Zuschauer durch Chaoten verletzt wird. Daran möchten wir als Veranstalter nicht beteiligt sein. sportiv: Die Redaktion hat versucht eine Stellungnahme seitens des Vereins in Uerdingen zu bekommen, Rafael Bremer: „Die Sicherheit der Zuschauer steht immer an erster Stelle“ leider vergeblich, unsere Anfrage blieb unbeantwortet, wundert Sie das? R.B.: Das kann und möchte ich nicht bewerten. Die Mannschaft aus Uerdingen und deren Trainerstab hat sich auf dem Turnier mehrfach für die Chaoten bei uns entschuldigt und sich ganz klar davon distanziert. sportiv: Haben Sie Verständnis für die Entscheidung des Hauptsponsors und Namengebers des Turniers, diese Veranstaltung nicht weiter zu unterstützen, zumal die VELTINS Brauerei ja auch in der Bundesliga aktiv ist und einen guten Namen zu verlieren hat? R.B.: Wir haben ja außerhalb der Entscheidung von VELTINS entschieden, dass wir die Reißleine ziehen. Das Turnier ist deutschlandweit bekannt und wir haben hier in früheren Jahren auch jetzige Weltmeister als Spieler gehabt. Von der sportlichen Qualität her gibt es nichts Vergleichbares hier im Sauerland. Schade ist, dass es Chaoten schaffen, den Namen nicht nur von Sponsoren, sondern auch den der Vereine und deren Austragungsorte anzukratzen. Und das wollten wir nicht zulassen. Aber ich möchte auch noch einmal erwähnen, dass in meinen Augen auch der Verband Schuld hat, der den Hallenfußball bei den Senioren mit dem zukünftigen Regelwerk zerstört. (FS) n (Schnürch)


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