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sportiv _ 10 Michael Schütte (1. Vorsitzender des Fußballkreises Hochsauerland) „Wir können nur gemeinsam etwas erreichen – blinder Aktionismus ist völlig fehl am Platz“ Im Fußball-Kreis Hochsaueland ist Ruhe eingekehrt. Die Zeit der Rücktritte und gegenseitigen Anfeindungen gehört der Vergangenheit an. Michael Schütte aus Alme ist der neue Hoffnungsträger. Im Hauptberuf Polizist hat er sich u.a. zum Ziel gesetzt, die alten Fußballkreise Meschede und Brilon nicht nur auf dem Papier enger zusammenzuführen. sportiv stand Michael Schütte Rede und Antwort. sportiv: Wie haben Sie sich in Ihrem Amt eingelebt? Michael Schütte: Das Einleben „in das Amt“ ist schon eine echte Herausforderung. Helfen bei der Ausführung dieses Amtes tut mir sicherlich, dass ich schon seit gut 20 Jahren Vorsitzender in meinem „Heimatverein“, dem BV 23 Alme, bin und so zumindest weiß, was Vorstandsarbeit bedeutet. Allerdings gibt es jetzt viele neue Dinge, die ich noch lernen muss und da bin ich auf die Hilfe meiner Vorstandskollegen angewiesen. Die ist aber zugesagt und die fordere ich auch ein. Eine richtige Übergabe, die gab es eigentlich nicht. Hilfe und Ratschläge bei Fragen, haben mir auch die Kreisvorsitzenden aus den anderen Kreisen, die ich auf Staffeltagen kennenlernen konnte, angeboten. Außerdem hat sich natürlich der Verband gemeldet und wird sicher auch hilfreich zur Seite stehen. Natürlich habe ich unheimlich viele Termine und ich lebe derzeit mit dem Kalender in der Hand, um meine beruflichen, privaten und ehrenamtlichen Termine übereinander zu bringen. sportiv: Was hat Sie überhaupt bewogen, das Amt des Vorsitzenden zu übernehmen? M. S.: Wie ich bereits in meiner Vorstellung beim außerordentlichen Kreistag in Brilon gesagt habe: ich habe eigentlich nie daran gedacht und es war auch gar nicht mein Ziel, Kreisvorsitzender zu werden, obwohl ich selbstverständlich die Auseinandersetzungen in unserem Kreis mitbekommen habe. Das war ja letztlich nicht zu überlesen und ich finde, da hat unser Kreis ein ganz schlechtes Bild abgegeben. Dann kam Anfang Juli ein Anruf von einem Menschen, der sich, aus meiner Sicht, sehr um den Fußballsport insbesondere im Altkreis Brilon verdient gemacht hat und den ich sehr bewundere und schätze: Karl Heinz Ehlert. Der fragte, ob ich mir vorstellen könnte, Kreisvorsitzender zu werden und ich doch mal darüber nachdenken solle. Im Nachgang zu diesem Gespräch habe ich noch mit einigen Leuten aus unserem Kreis telefoniert, die mir alle gesagt haben, dass ich doch mal für mich überlegen soll, ob ich nicht solch ein Amt annehmen kann. Ich habe den Gedanken erst sofort verworfen, habe dann allerdings gedacht, dass Absagen immer recht leicht ist. Ich habe dann mal überlegt, was ich alles durch den Fußball erfahren durfte und dass immer Menschen da waren, die sich um Organisation etc. gekümmert haben und so ermöglicht haben, dass ich, völlig sorgenfrei, meinem Hobby nachgehen konnte. Nach Gesprächen mit meinen Vorstandskollegen und insbesondere mit meiner Frau, die dann irgendwann gesagt hat, ‚wenn ich dass machen will, dann soll ich es tun,’ habe ich mich dann entschlossen, mich zur Wahl zu stellen. Geschimpft hat der ein oder andere bei uns im BV, insbesondere unsere älteren Vereinsmitglieder, die jetzt denken, dass ich vielleicht keine Zeit mehr für unseren Verein habe. Das ist und bleibt aber mein Heimatverein und für den stehe ich selbstverständlich weiter ein, gerade auch, weil mich meine Vorstandskollegen dort auch unterstützen und mir ihre Unterstützung weiterhin zugesagt haben. sportiv: Was war Ihr erster Gedanke, als Ihre Wahl perfekt war? M. S.: Ich war wirklich erst mal froh, dass ich so ein eindeutiges Ergebnis erzielt habe. Damit habe ich nie und nimmer gerechnet. Ich wusste zwar, dass ich, wenn ich mich zur Wahl stelle, gewählt werden würde, da die Vereine des „ehemaligen Kreises Brilon“ ihre uneingeschränkte Unterstützung zugesagt hatten. Dass ich aber eine volle Stimmenzahl erhalten würde, damit konnte ich nach den ganzen Querelen im Vorfeld nicht rechnen. Ich habe mich aber sehr darüber gefreut, denn letztlich ist das eine gute Basis für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit. sportiv: Wie wichtig war Ihnen persönlich der große Vertrauensbeweis, der Ihnen entgegengebracht wurde? M. S.: Wie gesagt, gerechnet habe ich nie damit. Aber wichtig ist, dass dies natürlich manche Begegnung leichter macht. Ich glaube aber auch, dass damit eine große Hoffnung der Vereine verbunden ist, dass wir jetzt in Ruhe als Kreis zusammenwachsen können. Gezeigt hat sich, dass ich überall, wo ich bisher war, toll aufgenommen wurde. Dafür kann ich mich einfach nur bedanken. sportiv: Auf der anderen Seite haben Sie Erwartungen geweckt, wo sehen Sie in Zukunft Handlungsbedarf? M. S.: Klar sind Erwartungen geweckt worden. Ist ja irgendwie selbstverständlich. Ich denke, dass es jetzt erst mal wichtig ist, dass wir als Kreisvorstand zusammen finden. Da bin ich aber guter Hoffnung, denn die ersten Signale stimmen da wirklich positiv. Und dann sollten wir uns darauf besinnen, dass wir natürlich von unseren Vereinen gewählt sind und von daher auch unsere Vereine und deren Interessen vertreten (müssen). Sicher wird es immer mal unterschiedliche Meinungen und auch Erwartungen geben. Wenn aber Entscheidungen transparent gemacht werden, dann sollte es klappen. sportiv: Sie haben bei Ihrer Wahl zum Vorsitzenden sinngemäß gesagt, „ich möchte, dass wir gemeinsam ein Kreis werden“. Wann sagen Sie, diese Zielvorgabe ist erreicht? M.S.: Wenn das Wort Fußballkreis Hochsauerland für alle wie selbstverständlich über die Lippen kommt. Das geht nicht von allein und ich höre auch heute noch häufig „ihr“ und „wir“. Wir gehören aber zusammen und haben das zumindest in so kleinen Dingen, wie z.B. einen ersten gemeinsamen Staffeltag im Kreis durchzuführen, versucht deutlich zu machen. Ansonsten gilt auch hier, dass wir uns schon ein wenig Zeit lassen müssen. Und bei allem was wir tun, müssen wir unsere Vereine und letztlich bin ich ja selber auch Vereinsvertreter, mitnehmen. Von daher kann ich einen konkreten Zeitpunkt, wann wir das umgesetzt haben gar nicht benennen. sportiv: Wo sehen Sie die Vorteile des neuen Fußballkreises? M.S.: Der Vorteil ist sicher, dass wir als Fußballkreis Hochsauerland auf jeden Fall einen Aufstiegsplatz aus den A-Ligen (Ost und West) in die Bezirksliga haben. Vor der Fusion kursierte ja das Schreckgespenst und die Befürchtung, dass die Meister der alten A-Ligen Meschede und Brilon nicht gegeneinander spielen, sondern anderen Kreisen, die auch nur einen halben Aufstiegsplatz haben und die möglicherweise als spielstärker eingestuft werden, zugelost werden und somit in den Relegationsspielen beide Kreise leer ausgehen. Durch diese Fusion ist so auf jeden Fall sicher, dass die Meister der A-Ligen Ost und West gegeneinander spielen und so der Fußballkreis HSK einen Aufsteiger stellt. Ein Vorteil ist sicher auch, dass wir weiterhin in unserem Fußballkreis uns auf Kreisebene so aufstellen und organisieren können, wie wir das für richtig halten. Da könnte und wird sicher auch der Ruf nach einer eingleisigen A-Liga im Kreis lauter werden. Aber auch hier sollten wir uns Zeit lassen, in die Diskussion mit den Vereinen Sport von A-Z: Fußball


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