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sportiv extra sportiv _ 3 Torwart und Libero in einer Person. Der Ex-Schalker Manuel Neuer, der derzeit beste Torwart der Welt sportiv: Sie selbst haben die Veränderung des Torwartspiels hautnah mitbekommen. Wann haben Sie als Torwart angefangen? Holger Gehrke: Ich bin erst mit 17 Jahren ins Tor gegangen, was aber für mich damals schon ein Vorteil war, da ich vorher ein ganz passabler Feldspieler war. sportiv: Sie sind fast 2,00 m groß. Früher hieß es, gegen die Großen flach schießen, ist da was dran? H.G.: Das ist Blödsinn. Das kann ich aus meiner Torwartlegenden im S04-Kasten Ob Ruhrbezirksklasse, Gauliga, Oberliga West oder Bundesliga, in über einhundert Jahren haben Torhüter beim FC Schalke 04 prägende Eindrücke hinterlassen bzw. sind als lebende Legenden Fans aller Altersklassen ein Begriff. Waren es vor dem Krieg Hermann Mellage, Hans Klodt, der allein 12 Jahre im Tor der Knappen stand, sowie Heinz Flotho, zusammen bestritten sie 15 Endspiele um Meister- und Pokalehren, so stand der Name Manfred Orzessek (s. Text) von 1953-61 als Gütezeichen Nummer 1 im Tor des S04. Mitte der 60er-Jahre ging dann der Stern des Schalker Jahrhunderttorwartes Norbert Nigbur über dem Revier auf. Er machte in insgesamt 14 Jahren 446 Spiele für die Königsblauen und bestritt auch sechs Länderspiele, stand aber leider im langen Schatten eigenen Erfahrung so sagen. sportiv: Heute wird viel über die Größe des Torwarts geredet. Gibt es ein Anforderungsprofil? H.G.: Meiner Meinung nach nicht. Es gibt keinen Masterplan und keine Richtlinien, natürlich ist es von Vorteil, mit einer großen Statur Ausstrahlung und Respekt zu schaffen. sportiv: Also doch lieber groß? H.G.: Nein. Ein kompletter Torwart, der die heutigen Anforderungen beherrscht, der kann das auch mit 1,80 m oder etwas mehr. sportiv: Wann soll denn heutzutage mit speziellem Training begonnen werden? H.G.: Wir beim FC Schalke 04 beginnen schon bei den Kleinsten, den 9-10 Jährigen, mit einem speziellen Torwarttraining zweimal pro Woche. sportiv: Was wird besonders trainiert? H.G.: Zwingende Voraussetzung für einen Torhüter ist heute die Beidfüßigkeit. Dazu kommen die Grundtechniken wie Fangen, Fausten, Ablenken, das Stellungsspiel und die Beinarbeit. Der Torwart ist vor allem heute auch der erste Angreifer. Sportiv: Welche Aufgaben kommen auf den Torwart moderner Prägung besonders zu? H.G.: Wegfall des Liberos, Viererkette und die zunehmende Schnelligkeit des Spiels sind weitere Hauptgründe für die notwendig gewordene Veränderung des Torwartspiels. Ein Torhüter muss heute in der Lage sein, das Spiel zu eröffnen, sei es durch Abwurf oder per Fuß einen Angriff einzuleiten oder mit taktischen und technischen Fähigkeiten das Spieltempo hochzuhalten. Manuel Neuer ist das Paradebeispiel, denken wir nur an die WM. Schalkes aktuelle Nr. 1 im Tor: Ralf Fährmann sportiv: Ein Wort noch zur Auslosung in der Champions League. Sind Sie mit den Gegnern Chelsea, Sporting Lissabon und Maribor zufrieden? H.G.: Keine Frage, es hätte schlimmer kommen können und deshalb sind wir zunächst zufrieden. Leichte Gegner aber gibt es in diesem Wettbewerb nicht. (WV) n eines Sepp Maier. Legendär seine zwei bis drei Extrarollen nach einer seiner spektakulären Flugparaden, unvergessen die drei abgewehrten Elfmeter im DFB-Pokalrückspiel gegen den 1.FC Köln (1:4/5:2), n.V., als nach 22 Elfmetern, einen verwandelte er selbst, der S04 ins Pokalfinale einzog und mit 5:0 gewann gegen den 1. FC Kaiserslautern. Enver Maric (s.Text), der Schweizer Volkmar Groß, Walter Junghans sowie Toni Schumacher waren weitere namhafte Torleute des S04, aber es war Jens Lehmann, der 10 Jahre lang nicht nur als einer der ersten guten Fußballer im Schalker Kasten stand, sondern auch zu den legendären Euro-Fightern gehörte, die das Wunder von Mailand schafften und den UEFA-Cup gewannen. Unfassbar aber wahr ist das Kopfballtor in letzter Sekunde zum 2:2 Ausgleich beim BVB im Dezember ‘97, und es waren wohl auch die fußballerischen Fähigkeiten, die Jürgen Klinsmann und Jogi Löw veranlassten, ihn zur WM 2006 Oliver Kahn vorzuziehen. Auch die mit Länderspielen dekorierten Oliver Reck und Frank Rost standen mit ihren ausgeprägten Fähigkeiten für qualitative Kontinuität im S04-Gehäuse. Doch es war Trainer Mirko Slomka, der den jungen Manuel Neuer für Frank Rost ausgerechnet gegen die Bayern voller Vertrauen, und von dessen Können überzeugt, ins kalte Wasser schmiss. Über den Werdegang eines Manuel Neuer weitere Worte zu verlieren hieße: „Eulen nach Athen zu tragen“. Heute ist mit Ralf Fährmann ein weiteres Schalker Eigengewächs auf dem besten Weg „unseren Weltmeister“ vergessen zu machen. (WV) n


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