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sportiv extra sportiv _ 2 Die Veränderung des Torwartspiels im Wandel der Zeit Torhüter auf Schalke Torwarttrainer Holger Gehrke im sportiv-Interview Viele werden sich noch gut erinnern, manche der leider immer weniger gewordenen Straßenfußballer kennen sicher auch heute noch das „Problem“: Einer muss ins Tor, und in der Regel waren und sind es die Kleinsten, die Dicksten oder die Schlechtesten, einer muss in den Kasten. Selbst in den Vereinen wurde in den 50er- oder 60er- Jahren kaum Wert auf gute Fußballer als Torhüter gelegt, von der Ausrüstung ganz zu schweigen. Spezielle Handschuhe waren gänzlich unbekannt und im Winter mussten die „Selbstgestrickten“ von Oma oder die „Ledernen“ für den Sonntag herhalten. Beliebt, weil modisch, waren die stibitzten „Autofahrerhandschuhe“ vom Papa, die mit dem Druckknopf. Es folgten die mit den Speckbrettnoppen der Tischtennisschläger, ehe mit Beginn der 70er die Sportartikelhersteller den Markt entdeckten. Die Hauptaufgaben des Torwartes beschränkten sich damals natürlich auf Ballabwehr, Fangen, Fausten, Abschlagen aus der Hand und wenn nötig, ordentlich „dazwischenhauen.“ Vor Manfred Orzessek, Torwart der Schalker Meistermannschaft von 1958, hatten sogar die eigenen Verteidiger Angst. Der untersetzte, nur 1,76 m große Keeper ohne Angst und Handschuhe war alles andere als ein Prototyp eines Torwartes, brachte es aber mit seiner enormen Sprungkraft und tollen Reaktionen später bis in die Bundesliga (bei Borussia Mönchengladbach). Wie weit die Torhüter bis vor rund 20 Jahren vom Mitspielen entfernt waren bzw. über technische Fähigkeiten verfügten, haben in der Vergangenheit viele sogar belustigende Szenen verdeutlicht, doch das Ergebnis des Eingreifens bedeutete fast immer ein Gegentor. Ausgerechnet Enver Maric, kroatischer Nationaltorhüter in Diensten des FC Schalke 04, trat bei einem harmlos auf ihn zulaufenden „Roller“ über das Leder und verursachte somit eine 0:1 Niederlage gegen Saarbrücken! Am Ende fehlte den Königsblauen 1 Punkt zur Meisterschaft in der Spielzeit 1976/77. Erste optische Veränderungen bei den Torleuten waren Anfang der 70er-Jahre die signalfarbenen „Sweater“ und die heute für alle Arten von Wettern und Plätzen entwickelten Handschuhe aus Haftschaum, sogar mit Protektionsstäben zur Vermeidung von Fingerverletzungen. Die entscheidende Veränderung für das Torwartspiel war allerdings die Regeländerung von 1992, wonach Rückpässe vom eigenen Mitspieler nicht mehr durch den Torwart mit den Händen aufgenommen werden durften. „Das hat dem Fußball gut getan“, sagt Holger Gehrke, Ex-Torwart und heute Torwarttrainer des FC Schalke 04 und nicht nur wegen seiner 1,98 m Körperlänge ein Großer seines Faches. „Dadurch entfiel das nervige Zeitschinden und das Spiel begann schneller zu werden.“ Holger Gehrke, Ex-Torwart, heute Torwarttrainer beim FC Schalke 04 Norbert Nigbur hütete das Schalker Tor von 1966-76 sowie ab 1979-83. Von den Fans wurde er in die Schalker Jahrhundertelf gewählt. (5: Wieschus) Frank Rost wurde in der Hinrunde der Saison 2006/07 vom damaligen Schalke-Trainer Mirko Slomka auf die Bank verbannt und durch den 20-jährigen Manuel Neuer ersetzt. Als Begründung gab Slomka an, Rost habe zuletzt „unglücklich agiert.“


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